Die Teilfreistellung bei ETFs einfach erklärt
Wer in Deutschland investiert, kommt um die Abgeltungssteuer von 25% (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) nicht herum. Doch es gibt ein riesiges, legales "Schlupfloch" für ETF-Anleger: Die Teilfreistellung (TFS). Dieser Mechanismus ist einer der stärksten Treiber für den Vermögensaufbau, wird aber oft übersehen.
Warum schenkt der Staat mir 30% Steuern?
Mit dem Investmentsteuerreformgesetz von 2018 wurde die Steuerlogik für Fonds komplett umgekrempelt. Das Problem vorher: Ein MSCI World ETF zahlt in den USA beispielsweise 15% Quellensteuer auf Apples Dividenden. Wenn du in Deutschland als Anleger den ETF verkaufst oder eine Ausschüttung erhältst, würdest du noch einmal 26,375% zahlen. Das wäre eine unfaire Doppelbesteuerung.
Um diesen Nachteil auszugleichen, hat der deutsche Gesetzgeber die Teilfreistellung eingeführt. Die Regel ist genial einfach: Bei einem Aktienfonds (ETF), der zu mindestens 51% in Aktien investiert, bleiben pauschal 30% deiner Gewinne und Ausschüttungen komplett steuerfrei. Du versteuerst also nur 70% deines Erfolgs.
Rechenbeispiel: Der ETF-Vorteil in Zahlen
Angenommen, du hast 10.000€ Gewinn gemacht.
Mit einer Apple-Aktie: Du zahlst voll 26,375% Steuern auf die 10.000€. Das sind 2.637,50€ ans Finanzamt.
Mit einem S&P 500 ETF: Dank der 30% Teilfreistellung sind 3.000€ sofort steuerfrei. Du zahlst nur auf die restlichen 7.000€ deine Steuern. Deine Steuerlast sinkt auf ca. 1.846€.
Dein reiner Steuervorteil durch den ETF: Fast 800€ gespart!
Teilfreistellung und der Freistellungsauftrag (1.000€)
Viele Anleger fragen sich, wie sich die Teilfreistellung mit dem jährlichen Sparer-Pauschbetrag von 1.000€ (bzw. 2.000€ für Ehepaare) verhält. Die Antwort ist ein weiterer Turbo für dein Portfolio: Die Teilfreistellung wird immer VOR dem Freistellungsauftrag abgezogen.
Das bedeutet: Wenn du 1.000€ Gewinn mit einem Aktien-ETF realisierst, bleiben davon zunächst 300€ steuerfrei (TFS). Es verbleiben 700€ zu versteuernder Gewinn. Diese 700€ werden nun gegen deinen 1.000€ Freibetrag gerechnet. Du hast also nach dem Verkauf immer noch 300€ deines Freibetrags für andere Gewinne oder Zinsen übrig! Mit Einzelaktien wäre dein kompletter Freibetrag bereits aufgebraucht.
