Wenn der Gewinn noch fehlt: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) richtig gedeutet
Das berühmte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist zweifelsfrei der Liebling aller Aktionäre. Doch was passiert, wenn ein hochgradig spannendes Startup oder ein disruptives Software-Unternehmen an die Börse geht, das zwar beim Umsatz jährlich um fantastische 50 Prozent wächst, aber unter dem Strich noch tiefrote Zahlen (Verluste) schreibt? Da man mathematisch nicht durch null oder einen negativen Gewinn teilen kann, versagt das KGV hier völlig (es wird "negativ" und somit unbrauchbar). Die Rettung für die Bewertung von starken Wachstumsunternehmen ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV, englisch P/S Ratio für Price-to-Sales).
So liest du das KUV
Anstatt den Marktwert des Unternehmens mit dem (noch nicht vorhandenen) Gewinn zu vergleichen, wird hierbei einfach der pure, nackte Umsatz (Top-Line) in Relation zum Aktienkurs gesetzt. Ein KUV von 2,0 bedeutet simpel gesagt: Für jeden Euro, den das Unternehmen im Jahr als Umsatz einnimmt, bist du an der Börse aktuell bereit, 2,00 Euro zu bezahlen.
- Niedriges KUV (< 1,0): Optisch ein Schnäppchen. Im klassischen Einzelhandel (Supermärkte) oder in der Automobilindustrie ist das jedoch völlig normal, da dort riesige Umsätze gedreht werden, wovon am Ende wegen der winzigen Gewinnmargen (Profit-Margen) kaum etwas übrig bleibt.
- Hohes KUV (> 10,0): Ein sportlicher Preis. Die Börse glaubt fest daran, dass die Firma nicht nur ihren Umsatz in den nächsten Jahren massiv katapultieren wird, sondern später aus diesen Erlösen extreme Gewinne pressen kann. Dies ist oft bei reinen Software-as-a-Service (SaaS) Unternehmen der Fall, die bis zu 80 % Bruttomarge aufweisen.
Achtung: Die nackte Kennzahl ist gefährlich!
Eine reine Umsatzbewertung verleitet dramatisch zum Leichtsinn, denn "Umsatz ist nur Eitelkeit, Profit ist die echte Realität". Ein Unternehmen kann mühelos ein explosives Umsatzwachstum vorlegen, indem es seine Produkte mit massiven Verlusten verschleudert (z. B. 100 Euro Marketingausgaben investiert, um 50 Euro Umsatz zu generieren). Für den Anleger sieht das KUV dann plötzlich "günstig" aus, obwohl die Firma in Wahrheit mit irrem Tempo ausblutet und zielgerichtet auf die Insolvenz zusteuert.
Der Profi-Tipp für deinen KUV-Check: Nutze unseren Rechner niemals völlig isoliert! Wenn du ein vermeintlich extrem günstiges KUV in einer heißen und angesagten Branche (wie IT, Cloud, KI) findest, frage dich zwingend: "Warum hat die Konkurrenz ein KUV von 15, aber diese eine Aktie nur ein KUV von 3?" Meistens verbirgt sich dahinter ein massives Problem beim Schuldenstand oder eine erdrückend schwache Bruttomarge. Vergleiche Unternehmen also wirklich immer nur innerhalb exakt desselben Sektors und demselben Geschäftsmodell.
